Franz Senn gründete 1869 in München gemeinsam mit Gleichgesinnten den Deutschen Alpenverein; dies geschah auch, weil man mit der eher wissenschaftlichen Ausrichtung des 1862 in Wien gegründeten Österreichischen Alpenvereins unzufrieden war. Am 9. Mai fand im Saal der „Blauen Traube“ eine Versammlung von 36 Alpenfreunden statt, bei der die Gründung des Deutschen Alpenvereins mit der Konstituierung seiner ersten Sektion in München erfolgte.
Einem provisorischen Aufruf an alle Alpenfreunde, „Sektionen des Deutschen Alpenvereins“ zu bilden, folgte bald ein weiterer, der bereits viele namhafte Unterschriften trug, darunter auch die von Geh. Rath Professor Dr. Hermann von Helmholtz aus Heidelberg.
Helmholtz ist uns heute als Universalgelehrter bekannt, es gab damals kaum eine naturwissenschaftliche Disziplin, in der er nicht forschte. Er war Mitglied in naturwissenschaftlichen Gesellschaften und war das, was man heute als „gut vernetzt“ bezeichnet. So kam es, dass er als Professor der Physiologie auf Initiative von Prof. Bunsen 1858 nach Heidelberg berufen wurde. Er verließ Heidelberg wieder im Jahr 1871, um in Berlin den Lehrstuhl für Physik zu besetzen.
Weniger bekannt ist, dass er ein begeisterter Wanderer und Bergfreund war, wobei auch auf seinen Bergfahrten immer die Beobachtung und das Erforschen der Naturphänomene eine Rolle spielte.
Er verbrachte seine Sommerurlaube regelmäßig in der Schweiz, hier gehörte Pontresina zu seinen Lieblingsaufenthaltsorten. Aber er war auch Gast bei Franz Senn in Vent, wie ein Eintrag aus dem Gästebuch der Pfarrei in Vent von 1867 belegt. Helmholtz war mit Senn und anderen Bergfreunden kameradschaftlich verbunden. 1877 machte er zusammen mit John Tyndall, einem der Bergpioniere des Matterhorns und einem der Erstbesteiger des Weißhorns, Wanderurlaub in den Schweizer Hochalpen.
Aus der Gedächtnisrede von Emile du Bois-Reymond für Helmholtz am 4. Juli 1895 in der Akademie der Wissenschaften zu Berlin:
(…) der geographischen Physik und Meteorologie mit gleicher Liebe und Meisterschaft sich zuwenden sieht. Seine erste Leistung in diesem Sinne betrifft das Eis und die Gletscher und sie verdankt ihre Entstehung sicherlich zweierlei Umständen, erstens den von Helmholtz unternommenen Gletscherwanderungen, zweitens den gerade damals aufgestellten Gletschertheorien (…) Durch eine Reihe von zweckmäßig ersonnenen Versuchen gelang es Helmholtz, das Entstehen des charakteristischen Gletschereises aus dem Firn mit überzeugender Treue nachzuahmen.
(…)
Er war von mittlerer Größe, kräftigem Wuchs und edler Haltung, ein rüstiger Bergsteiger und als Sohn der Havel ein tüchtiger Schwimmer. (…) Es war beim gemächlichen Steigen über waldige Berge bei sonnigem Wetter, dass ihm über die ihn gerade beschäftigenden Probleme Aufschlüsse kamen, die ihm mit der Feder in der Hand am Schreibtische versagt blieben.