Jedes Jahr veranstaltet unsere Schule am Ende des Schuljahres eine Projektwoche für die neunten Klassen. Dabei können wir Schülerinnen und Schüler verschiedene Projekte wählen, unter anderem auch die Heidelberger Hütte, die sich im Silvretta-Gebirge in der Schweiz befindet.
Nach einer mehrstündigen Fahrt mit Bahn und Bus kamen wir am Montagnachmittag endlich in Ischgl an, wo wir in eine Gondel der Silvretta-Bahn zur Mittelstation umstiegen. Von dort aus wanderten wir dann circa drei Stunden zur Heidelberger Hütte und überquerten dabei zu Fuß die Landesgrenze in die Schweiz. Glücklicherweise wurde das Gepäck für uns transportiert, und wir konnten nur mit kleinem Wanderrucksack den Weg antreten. Kurz vor unserem Ziel kamen uns hunderte Kühe entgegen, die ins Fimba-Tal umgetrieben wurden. Ein spektakulärer und mit vielen Kuhglocken lauter Moment. Nach kurzer Zimmerverteilung und Erkundung der Hütte und ihrer Umgebung, wurden wir mit einem 3-Gänge-Menü zum Abendessen empfangen. Danach ging es ab 22 Uhr die Hüttenruhe einzuhalten, was nicht jedem sofort gelang.
Am nächsten Tag machten wir eine Erkundungstour von der Heidelberger Hütte Richtung Süden. Unser Ziel war ein Bergsee auf 2762 Höhenmetern. Begleitet wurden wir von Marc Derungs, Wege- und Hüttenwart des DAVs Sektion Heidelberg und zuständig für die Heidelberger Hütte mit ihren umliegenden Wegen. Wir erreichten den See nach ungefähr vier Stunden. Auf dem Weg dorthin erklärte uns Marc immer wieder an kleinen Stopps, was man im Hochgebirge alles wissen muss. So können wir heute sicher die Beschilderung der Wege interpretieren und verstehen auch die Farbcodes, die die unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus der Wege für Wanderer angeben. Auch über die Geographie und die eiszeitliche Vergletscherung erfuhren wir interessante Details. Dieses Jahr gab es im Fimba-Tal bis in den Juni noch heftige Schneefälle, so dass wir auf unserer Wanderung zahlreiche Schneefelder vorfanden, die wir mit Marcs Hilfe sicher und ohne Probleme überqueren konnte. Es blieb zwar nicht jeder Schuh und jede Socke trocken, aber wir haben es gemeinsam geschafft. Baden im See war aber dieses Jahr nicht möglich. Der See war komplett zugefroren und nur manche Mutige trauten sich bis zu den Waden ins eiskalte Wasser. Der Ausblick war trotzdem wunderschön und die Ruhe hier oben war toll.
Auf dem Rückweg wurden wir in drei Teams eingeteilt, und zwei Aufgaben erwarteten uns. Zum einen sollte jede Gruppe einen schönen, robusten und möglichst hohen Steinturm bauen, wie sie öfters als Wegweiser im Gebirge zu finden sind. In der zweiten Challenge galt es im Bereich des „Schwarzen Wassers“ eine möglichst große Wasserfläche mit Steinen zu stauen. Die Staudämme waren wirklich gut geworden und jede Menge Wasser konnte dahinter angestaut werden. Nach dem leckeren Abendessen auf der Hütte spielten wir eine Runde Activity und hatten gemeinsam mit unseren Lehrern viel Spaß!
Am Mittwochmorgen wurden wir wieder in Gruppen eingeteilt. Unser erster Arbeitstag für die Wegearbeiten stand an. Dabei hatten wir dieses Jahr besonders viel Glück. Auf der Hütte war ein Trupp von professionellen Wegearbeitern, die sich im Gespräch mit Marc bereit erklärt haben, uns einen Tag in ihre Arbeiten aufzunehmen. So machten wir uns mit Schaufel, Pickel und Rechen auf den Weg Richtung Fimba-Pass, um uns nach gut einer halben Stunde mit den Wegearbeitern zu treffen. In drei Gruppen kamen wir an dem Tag super voran und konnten viel über den Wegebau lernen. Die Profis zeigten uns wie man alte Wege wieder professionell verschließt, neue Wege attraktiv anlegt und auch kleine Steinübergänge wurden von uns gebaut. Der Tag begann zunächst sehr neblig, aber als die Wolken wegzogen, hatten wir alle eine atemberaubende Sicht auf das Fimba-Tal und die Südseite am Fimba-Pass. Gut, dass wir bei Loisls Frühstückbuffet jeder Menge Proviant mitnehmen konnten. In der Höhe und beim Arbeiten schmecken die Brote am besten.
Als wir am Donnerstagmorgen losgingen, um weitere Wegearbeiten zu machen, war jeder voller Vorfreude, was der Tag so bringen würde. Dieses Mal waren wir ohne die Profis unterwegs, aber Marc führte eine Gruppe, Herr Schellhammer ging mit einer zweiten Gruppe und Frau Wolf wanderte zusammen mit Johanna in der dritten Gruppe den Weg hinauf. Johanna begleitete uns die ganze Woche. Auch sie ist im DAV und wollte unser Projekt auf der Heidelberger Hütte und die Arbeiten gemeinsam mit Marc dieses Jahr einmal kennenlernen. Jeder von uns arbeitete hervorragend und mit viel Engagement. Wir fühlten uns schon selbst als Profis und konnten unser erlerntes Wissen bereits in die Tat umsetzen. An diesem Tag wurden wir früher von den Wegearbeiten entlassen um die abschließenden Challenges an der Hütte zu absolvieren. Aber davor war Zeit für Kaiserschmarrn, Hüttentoast, Röstis und was noch alles auf der leckeren Karte von Alois unserem Hüttenwirt stand. Gut gestärkt und mit etwas Verspätung ging es dann in die letzten Aufgaben. In einem Wettrennen wurden verschiedene Fragen an die Gruppen gestellt. Und so manche Antwort wurde im Vollsprint von uns erlaufen. Danach schauten wir uns eine interessante Dokumentation über den Almauftrieb über den Fimba-Pass an. Spannend dabei, dass wir in dem Film Hirten mit ihren Hunden entdeckten, denen wir am Montag davor live vor der Hütte begegnet sind.
Die abschließende, kreative Aufgabe bestand darin, innerhalb einer Stunde ein Lied oder ein Gedicht über die Heidelberger Hütte und unsere Woche zu verfassen und zu präsentieren. Eine große Aufgabe für die Bergziegen, Murmeltiere und Braunbären, wie wir unsere Gruppen mittlerweile getauft hatten. Am Ende des Tages gingen noch einige von uns auf die umliegenden Hügel und genossen den Sonnenuntergang und die unglaubliche Aussicht. Den ein oder anderen zog es auch in die an der Hütte vorbeifließende Fimba, die mehr als erfrischend zum kurzen Baden einlud.
Am letzten Tag sagten wir schweren Herzens „Tschüss“ zur Heidelberg Hütte, zu Marc und Alois, zu Johanna und all den Tieren, die uns in der Woche begegnet sind. Wir machten uns auf den Rückweg und auf den Weg zum letzten Highlight der Woche: den SkyFly. Anstatt mit der Gondel zurück nach Ischgl zu fahren, „flogen“ wir ins Tal. Mit bis über 80 km/h ging es im Tragegurt und freisitzend zurück. Ein unglaublicher Flug, den jeder von uns mitmachte und mit Sicherheit nicht vergessen wird. Über Innsbruck, München und Mannheim erreichten wir spätabends wieder Heidelberg, wo uns unsere Familien wieder erwarteten und mit offenen Armen empfingen.
Zum Schluss möchten wir uns für die wundervollen Erinnerungen und Erlebnisse bei unseren Lehrern Herrn Schellhammer und Frau Wolf, sowie dem Hüttenwirt Alois und seinem Team, dem Wege- und Hüttenwart Marc und seiner Begleitung Johanna und den Wegearbeitern bedanken. Es hat riesen Spaß gemacht!
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