Wer bei „Projektwoche“ an Basteln, Wandzeitungen oder halbleere Klassenzimmer denkt – hat keine Ahnung, wie spannend Schule sein kann! Wir, eine Gruppe von 16 Jugendlichen aus den verschiedenen 9. Klassen der Elisabeth-von-Thadden Schule, durften fünf Tage lang eine Lebenswelt entdecken, die für uns normalerweise ziemlich weit weg ist: das Hüttenleben in den Alpen – und dazu der echte Wegebau in luftiger Höhe.
Los ging’s am Montagmorgen. Früh. Viel zu früh. Mit dem Zug fuhren wir nach Landeck-Zams, dann weiter mit dem Bus ins Skitourismus-Mekka Ischgl. Von dort aus brachte uns die Gondel zur Mittelstation – und dann hieß es: Wanderschuhe an, Rucksack auf und los! Aber keine Sorge: das schwere Gepäck wurde ganz entspannt mit dem Jeep zur Hütte gefahren. Wir selbst trugen nur das Nötigste – Wasser, Proviant und natürlich ein paar Gummibärchen zur moralischen Unterstützung.
Nach 2–3 Stunden Wanderung durch eine beeindruckende Bergkulisse (inkl. zahlreicher pfeifender Murmeltiere, die uns aus sicherer Entfernung neugierig beobachteten, einiger Esel und Pferde und natürlich hunderter Kühe mit Glocken um den Hals) erreichten wir schließlich unser Zuhause auf Zeit: die legendäre Heidelberger Hütte im Kanton Graubünden auf 2260 m Höhe.
Dort erwartete uns schon Loisl, der Hüttenwirt, der eigentlich eher ein Naturereignis als ein Mensch ist. Mit lockeren Sprüchen wie „Immer locker bleiben und bloß nicht schwitzen“ und seinen berüchtigten Kosenamen „Schnuckiputzi“ und „Prinzessin“ brachte er jeden von uns mindestens einmal zum Lachen – oder zum Augen rollen.
Die Woche stand ganz im Zeichen von Wegebau, Natur erleben und Leben ohne WLAN. Marc, der Wegewart vom Deutschen Alpenverein, erklärte uns, wie Wanderwege gepflegt und markiert werden – und wir legten selbst Hand an: Zwei Tage lang arbeiteten wir mit Spitzhacke, Schaufel und Rechen rund um die Hütte. Wer hätte gedacht, dass man beim Wegschottern tatsächlich ins Schwitzen kommt – trotz Loisls Motto?
Begleitet wurden wir von unseren Lehrkräften Steffen, dem erfahrenen Bergkenner, der die Projektwoche seit Jahren organisiert, und von Jessi, die zum ersten Mal dabei war – beide Naturtalente in Sachen Höhenmeter, Hüttenkultur und Gruppendynamik. Zusammen waren sie ein echtes Power-Team – kompetent, motivierend und immer für einen Spaß zu haben.
Das Wetter? Perfekt. Trotz bedrohlicher Gewitter in der Ferne blieb es die ganze Woche über trocken – ein echtes Geschenk in den Bergen!
Besonders cool: Handys waren verboten. Ja, wirklich. Keine sozialen Medien, keine Chats, keine Selfies. Und das Beste: Wir haben sie nicht vermisst! Dank Monopoly, UNO und anderen Kartenspielen war abends sowieso mehr los als in jeder Insta-Story. Und manche von uns hatten sogar die guten, analogen Kameras dabei. Okay, Einweg, aber Not macht erfinderisch.
Am Dienstag wanderten wir auf etwa 2800 Meter Höhe zu einem eiskalten Bergsee. Drei Stunden Aufstieg, Atemnot bei den letzten Höhenmetern – und am Ziel: ein See, so kalt, dass selbst die Murmeltiere lieber Abstand hielten. Trotzdem sprangen vier Unerschrockene hinein – kurz, aber heldenhaft!
Die Nachmittage füllten wir mit spannenden Aufgaben:
Steinmännchen-Wettbewerb (manche hielten, manche eher nicht),
Staudamm-Challenge (es wurde gebaut, als gäbe es einen Preis),
und: Dichterwettstreit! Jede Gruppe schrieb ein Gedicht über das Leben auf der Hütte – mit Reimen, Performance und viel (unfreiwilligem) Humor.
Das Frühstücksbuffet war legendär – Brötchen, Müsli, Käse, Kakao – alles, was man sich wünscht, bevor’s wieder raus in die Natur ging. Das Abendessen war meistens superlecker – meistens. Nur an einem Abend wagte sich die Küche an ein gewagtes Experiment namens Cevapcici. Wir sagen’s mal diplomatisch: Es hatte Charakter. Und Zähigkeit. Geschmacklich irgendwo zwischen Abenteuer und „interessant“. Loisls Kommentar: „Wer das übersteht, kommt überall durch!“ – Challenge akzeptiert, aber bitte nicht nochmal.
Zum krönenden Abschluss am Freitag ging’s zurück nach Ischgl – aber nicht etwa zu Fuß. Nein: per Skyfly! Ein Drahtseil, ein Gurt, ein Gebet – und dann mit über 80 km/h ins Tal. Der Weg zur Startplattform war schon steil genug, da war der Nervenkitzel beim Abflug gleich doppelt so hoch. Aber: Alle haben’s geschafft. Gekreischt wurde auch – aber das gehört dazu.
Zurück im Zug nach Deutschland war die Euphorie groß – der Platz im Waggon leider nicht. Der Zug war proppenvoll, und die Sitzplatzwahl entsprach nicht gerade unseren Wunschvorstellungen. Vor allem fehlte das Wichtigste: Platz zum Kartenspielen oder für eine weitere Runde Monopoly. Trotzdem: Als wir endlich am Bahnhof in Heidelberg ankamen, warteten dort schon die Eltern – und nahmen glückliche, leicht erschöpfte, aber sehr stolze Kinder wieder in Empfang.
Was bleibt? Murmeltiere, Muskelkater, Cevapcici-Traumata, Gipfelglück, Teamgeist, Loisl-Zitate, Naturerlebnisse ohne Bildschirm – und die Erkenntnis: Andere Lebenswelten zu entdecken kann ganz schön cool sein.
Danke an Loisl, Marc, Steffen, Jessi – und an alle, die mit uns gelacht, gearbeitet, gewandert und geflogen sind.
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