Heidelberg und Köln liegen gut 250 km auseinander. Gibt es trotzdem etwas, was die beiden DAV Sektionen direkt miteinander verbinden könnte? Aber, ja! Erstens grenzt das Sektionsgebiet vom DAV Rheinland-Köln in der Samnaungruppe an das Arbeitsgebiet des DAV Heidelberg in der Silvretta. Zweitens verbindet der Weitwanderweg 712 das Kölner Haus auf Komperdell (bei Serfaus/Tirol) mit der Heidelberger Hütte im Fimbatal.
Um schließlich das Kölner Haus und die Ascher Hütte für Hüttenwanderer über die Idalpe und Heidelberger Hütte an das Netz der Silvrettahütten anzuschließen, erbauten die Kölner 1974 die Hexenseehütte auf 2.588 müM m Masnergebiet; eingebettet in einem reizvollen Bergkessel unterhalb des Hexenkopf (3.035 müM) mit traumhafter Aussicht und toller Bergkulisse im Süden. Hierbei handelt es sich auch um die letzte vom Deutschen Alpenverein im Alpenraum gebaute Hütte, denn der Alpenverein betrachtete die Erschließung der Alpen als abgeschlossen. Ursprünglich als Selbstversorgerhütte konzipiert, betreut der Hüttenwirt des Kölner Haus die Hexenseehütte und freiwilligen Helfer*innen der Sektion warten sie im Sommer. Im Winter belegt die Seilbahngesellschaft die Hütte und übernimmt auch die Bewirtung der Skifahrer.
Somit feierte am 1. September 2024 die jüngste DAV Hütte in den Alpen mit über 100 Gästen bei spätsommerlichem Wetter das runde Jubiläum von 50 Jahren. Pünktlich um 12 Uhr eröffnete Pfarrer Willi Pfurtscheller aus Serfaus die Feierlichkeiten mit einem Berggottesdienst, den ein Musikant mit andächtigen und heimatlichen Klängen auf seiner Handorgel umrahmte. Die Ansprachen von Kalle Kubatschka (1. Vorsitzender DAV Sektion Rheinland-Köln), Paul Greiter (Bürgermeister der Gemeinde Serfaus und Beiratsvorsitzender der Seilbahn Komperdell) und Franz Althaler (Hüttenwirt Kölner Haus 1991 - 2013) skizzierten mit persönlichen Worten die bewegten 50 Jahre der Hexenseehütte, die komplette Zerstörung durch den Brand im Februar 1994 und den zügigen Wiederaufbau. Anschließend folgte der gesellige Teil der Feier mit Speis & Trank und Musik auf der großen Terrasse mit prächtigem Panorama. Als der leicht herbstliche Regen auf den Hexenkessle prasselte, verschob sich die Feier in die gemütliche Stube der Hütte.
Und dann folgte das zweite Jubiläum – die Begehung des Weitwanderwegs 712 vom Kölner Haus bis zur Heidelberger Hütte mit zehn Mitgliedern von den Sektionen Rheinland-Köln und Heidelberg:
Die Strecke vom Kölner Haus bis zur Hexenseehütte über die Scheid (2.428 müM) und das Arrezjoch (2.587 müM) absolvierten die Teilnehmer bereits am Tag vor dem Hüttenjubiläum. Am Nachmittag zogen dunkle Wolken auf. In den Tälern rundherum donnerte es laut und tief. Wir hatten Glück; kein Regen – aber man fühlte sich unheimlich auf Schmugglerpfaden.
Von der Hexenseehütte über den Hexensattel (2.711 müM), vorbei am idyllischen Gmairersee, über die Ochsenscharte (2.787 müM), unterhalb vom Martinskopf runter zur Fliesser Stieralpe 2.282 müM), Fliesseralm (2003 müM) und nach Spiss ins Apart Alpenglüh‘n. Eine Gruppe von stolzen Steinböcken verfolgte uns über den ganzen Tag hinweg – denn die Jäger erlegten am Vortag beim Hexenkopf ein Tier.
Es folgte von Spiss (1.678 müM) ein steiler, nicht enden-wollender Aufstieg aufs Obere Malfrag Joch (2.700 müM), dann an der x-ten Zollhütte vorbei runter über die Grenze in die Schweiz. Ein steiler schmaler Pfad führte die Wanderer über den letzten Übergang des Tages „Bei der Kirche“ vorbei an hunderten Edelweißen und vielen Enzianen zur Alp Bella; schließlich mit der Bergbahn runter nach Samnaun in die Pension Edi. Andri Arquint (Leiter Forstamt Samnaun) und Bernhard Aeschbacher (Direktor Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair) besuchten die Weitwanderer beim gemütlichen Abendessen und belebten die Gespräche.
Mit der Gondel ging es von Ravaisch aus hoch auf Alptrider Sattel (2.487 müM) und von da erneut zu Fuß weiter übers Salaaser Eck an imposanten Gipsdolinen vorbei aufs Zeblasjoch (2.539 müM). Der letzte Übergang – Fuorcla Val Gronda (2.751 müM) - des offiziellen 712er Weitwanderweges forderte viel Kraft von den Wanderern ab. Ein kalter kräftiger Wind kündigte endgültig den Herbst an, bevor der langersehnte Abstieg zur Heidelberger Hütte (2.263 müM) folgte.
Am nächsten Morgen stiegen die Kölner nach Ischgl/See ins Paznauntal ab, um die Heimreise anzutreten.
Der Heidelberger entschied, die Weitwanderung im Inntal abzuschließen, da sie vor wenigen Tagen in Serfaus im Inntal begann. Somit das Fimbatal nach Süden über die Fuorcla da Tasna (2.807 müM), wegloser Abstieg über große Steinblöcke zum malerischen Lai da Fasch Alba (2.646 müM), dem steilen Bach entlang und überquerend runter nach Plan da Mattun (2.276 müM). Über mehrere Alpen das unberührte Val Urschai herauswandern, das ist eine Erholung für Körper und Geist. Im Brunnen bei der Alp Valmala (1.980 müM) lagen Getränke bereit zur Stärkung vor dem Aufstieg auf dem Tasna Trail zur Alp Laret (2.206). Ein erster Blick ins Unterengadin mit den kleinen, engen, steilen Seitentälern nach Süden - bei Apfelstrudel und Holunderblütensirup. Und dann der abschließende schnelle Abstieg nach Ftan.
Noch einmal recht herzliche Glückwünsche an die Sektion Rheinland-Köln zu den 50 Jahren Hexenseehütte verbunden mit den besten Wünschen für die Zukunft der Hütte und der Sektion. Ebenso an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Kalle Kubatschka und Caro Niemann (Beisitzerin Hexenseehütte) für die feierliche und überaus großzügige Ausrichtung sowohl des Hüttenjubiläums als auch der 712er Begehung. Besonderer Dank auch an Michael Stein (Wegewart Sektion Rheinland-Köln) für die umsichtige Planung und Führung der Weitwanderung.
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